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Wer war Birger Forell? Die Bedeutung Birger Forells für die Stadt Espelkamp und unserer Schule ist enorm. Wer war dieser Mann, ohne den offenbar auch diese Homepage gar nicht vorliegen würde? Die folgenden "biographischen Notizen" sowie Fotos stammen aus der Broschüre "Bi rger Forell - Sein Wirken für Espelkamp", hrsg. von Ernst Kreuz im Zusammenwirken mit dem Presbyterium der Evangelischen Martinskirchengemeinde Espelkamp (1982). Weitere bibliographische Hinweise siehe dort.Gedenktafel für Birger Forell in Berlin BIOGRAPHISCHE
NOTIZEN
Im
Januar 1916 bezieht der 22 jährige Student die alte schwedische Universität
Upsala. An das theologisch- philosophische Examen schließt sich 1919/1920 ein
Wintersemester in Tübingen und dann 1920
das Sommersemester in Marburg an. Hier
beginnt seine enge Bindung an Deutschland und die tiefe Liebe zu seinen
Menschen. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn von der Marburger Zeit an
mit dem bedeutenden Religionswissenschaftler Prof. Rudolf Otto. 1921
besteht Forell die beiden theologischen Examen. Am
16. 5. 1921 wird er in Upsala ordiniert. Schon
während seines letzten Studiensemesters hat ihn der große schwedische
Erzbischof Nathan Söderblom (nach dem unser benachbartes Gymnasium benannt ist.
Anm. d. Verf.) als Sekretär und Mitarbeiter herangezogen. 1921-1926
wird Forell Seemannspastor in Rotterdam. 1926-1929
ist er als Pastor in Tillinge, einem kleinen Ort in der Nähe von Upsala. Im Winter 1927/1928 nimmt ihn Prof. Otto als seinen Assistenten auf eine religionswissenschaftliche Forschungsreise nach Indien mit. Dort kommt Forell in Berührung mit Ghandi und wird Mitarbeiter der "Friedensbewegung der Weltreligionen". Noch in Indien erhält Forell die traurige Nachricht, dass nun auch der ältere seiner beiden kleinen Söhne gestorben ist; der jüngere war schon ein Jahr zuvor einer schweren Krankheit erlegen. Er bricht die Reise ab und kehrt zu seiner Frau nach Schweden zurück. 1931
wird den Eltern noch einmal ein Sohn geschenkt, Urban Forell. 1929
geht Forell als Gesandtschaftspfarrer und Pastor der schwedischen
Gemeinde nach Berlin. Es ist die Zeit der großen Weltwirtschaftskrise. In
Deutschland breitet sich die Arbeitslosigkeit verheerend aus, erfasst auch viele
Schweden von Forells Berliner Gemeinde. Tag
für Tag klopfen Arbeitslose an die Tür des Pfarrhauses und bitten um Hilfe.
"Man kann ja doch die Mitmenschen nicht verhungern lassen. Solange noch ein
Pfennig da ist, muss man ja geben. Doch dies ist alles erst das Vorspiel zu der
großen Notzeit, die mit dem Jahr 1933 hereinbricht. Nun geht es nicht mehr
allein darum, den Hungernden eine Mahlzeit zu reichen, sondern Verfolgte des
Nationalsozialismus zu verbergen, ihnen in ihrer Verzweiflung neuen Mut
zuzusprechen, vielleicht ihnen einen rettenden Pass ins Ausland zu besorgen.
Forell steht entschieden auf der Seite der Bekennenden
Kirche. Er wird ihr ein sorgsamer Freund und Ab 1942 ist Forell Hauptpastor an der Caroli-Kirche in der westschwedischen Textilstadt Boras, allerdings mit häufigem allerdings mit häufigem1943
beruft ihn der Weltkirchenrat zur Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen
in England. Für Forell bedeutet es ein jahrelanges Unbehaustsein, ein ständiges
Umherreisen von einem Lager zum anderen, Gottesdienste halten, Verwundete und
Kranke besuchen, seelsorgerliche Gespräche mit den Verzweifelten,
Niedergeschlagenen und Gedrückten führen und versuchen, ihnen Hilfe und Halt
zu geben. Auch viele organisatorische Fragen müssen geklärt werden. Unter
den Gefangenen ist ein verzweifelter Hunger nach Büchern, nach Unterhaltung,
Beschäftigung, um dem trostlosen Nichtstundürfen hinter Stacheldraht entrinnen
zu können; so viel angstvolles Fragen nach dem Schicksal der Angehörigen in
der Heimat, Unruhe, Ungewissheit, Zagen und Zweifel. Noch während des Krieges
hat Forell für die Gefangenen die Einrichtung eines Hochschullagers bei den
Engländern durchgesetzt. Hier können junge Theologen ausgebildet werden, die
allmählich die Seelsorge in den Lagern übernehmen, und Forell erreicht es
auch, dass die in Norton Camp abgelegten Prüfungen später in Deutschland
anerkannt werden. Norton Camp wird eine Zentrale für die gesamte geistige und
geistliche Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen in England. Die Aufgaben in England nehmen immer mehr an Umfang zu. "Es ist nicht leicht, den Mut nicht zu verlieren; aber durch uns kann anderen geholfen werden..." In dieser Überbelastung sieht sich Forell plötzlich in seinem Gewissen vor eine neue Aufgabe gestellt, die ihm so dringend ist, dass er sich ihr nicht entziehen darf, obwohl er sich auch nicht von seinen bisherigen Pflichten lösen kann. Es ist die Not der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen, auf die er stößt, als er im Herbst 1945 auf einer kurzen Reise in Deutschland ist. Er wollte deutsche Hilfe für die Kriegsgefangenen in England mobilisieren, nachdem nun der Krieg vorbei ist, und sieht sich einem Elend gegenüber, das alle Vorstellungen übersteigt. "Es kann kein Zweifel sein, dass die große Not der Zivilbevölkerung in Deutschland in der augenblicklichen Lage einen der größten Anrufe bedeutet, die je an die christlichen Kirchen ergangen sind ..." Schon 1944 hat Forell mit seiner Frau Calise geb. Strindberg das Boraser "Komitee für christliche Nachkriegshilfe" gegründet. Seine Gemeinde sammelt Kleider, Schuhe, Lebensmittel, Medikamente, Geld - eine erste Hilfe geht von Boras in die Flüchtlingslager in Deutschland. Es folgen viele Jahre hindurch immer neue Transporte. Das "Tauwetter der Barmherzigkeit- hat begonnen, an dem das schwedische Volk und Birger Forell hervorragenden Anteil haben. Seit
1947 wird Forell einer
der Initiatoren zur Gründung der Flüchtlingsstadt Espelkamp. Mit unendlich
vielen Hilfen aus Schweden und großer Liebe hat er diese junge Stadt bedacht. Im
Sommer 1948 sind die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus
England zurückgekehrt. Damit ist auch Forells Auftrag erloschen, der ihn vier
Jahre lang nach England und immer wieder nach Deutschland geführt hatte. Jetzt
kehrt er in seine Gemeindearbeit in Boras zurück, aber das deutsche Schicksal lässt
ihn nicht mehr los. Freunde stellen ihm in Mittelschweden ein Schloss zur Verfügung,
und Forell macht daraus eine Begegnungsstätte zwischen Deutschen und solchen
Ausländern, die im Krieg unter den Deutschen und der deutschen Besetzung ihrer
Heimat gelitten haben. Sechs Wochen dauern die Kurse in Gripenberg, zu denen die
Gäste eingeladen werden. 1951
entschließt sich Forell, die Sicherheit seines Pfarramtes in Boras
preiszugeben, um ganz frei zu sein, den Verzweifelten in Deutschland helfen zu können.
Schwierigkeiten
stellen sich seinem Entschluss entgegen. Die schwedische Kirche zögert, bei
Anerkennung aller Verdienste, die Forell sich erworben hat, ihn noch einmal für
die Arbeit in Deutschland freizugeben. Als er endlich auf sein Drängen
vorzeitig pensioniert wird, muss er eine erhebliche Kürzung seiner Pension
hinnehmen. "Ich habe mich bereit erklärt, diesen Preis zu bezahlen. Das
ist mein freiwilliger Lastenausgleich für die Flüchtlinge..." Forell
ruft die "Deutsch-Schwedische-Flüchtlingshilfe" ins Leben, die es
sich zur Hauptaufgabe macht, den heimatvertriebenen Bauern bei ihrer
Wiederansiedlung zu helfen. Nach dem letzten Rechenschaftsbericht vor Forells
Tod sind es über drei Millionen Mark an Spenden und staatlichen Zuschüssen,
die diese Aktion aufwenden konnte. In
1644 Fällen gab sie materielle Hilfe. Über
500 Flüchtlingsbauern bekamen durch sie wieder einen Hof vermittelt. Unübersehbar
bleiben die Anregungen, die durch Forells Initiative in weite Kreise ausgegangen
sind, ebenso unwägbar die seelische Hilfe, die sein Wirken für die Flüchtlinge
bedeutet hat. Am
4. 7. 1958 ist Birger Forell gestorben und auf dem Dorfkirchhof von Onsala
südlich von Göteborg begraben worden. Die "Deutsch-Schwedische-Flüchtlingshilfe" stellt zwei Jahre nach seinem Tod die Arbeit ein, doch führt die von der Evangelischen Kirche in Deutschland ins Leben gerufene "Birger-ForellStiftung" die von Forell mit so großer Liebe und unermüdlicher Hilfsbereitschaft getane Aufgabe weiter.
Espelkamp lässt auf seinen Grabstein schreiben: "Ihrem Gründer in Dankbarkeit - Die Flüchtlingsstadt Espelkamp
1961 wird in Berlin-Wilmersdorf am Gemeindehaus der lutherischen schwedischen Gemeinde ein Relief enthüllt, dessen Text das Wirken Forells knapp zusammenfasst: Birger Forell 1929-42 schwedischer Pfarrer in Berlin Schützer und Retter vieler Verfolgter 1933-45 Helfer und Freund deutscher Kriegsgefangener in England. Er schuf die deutsch-schwedische Flüchtlingshilfe, um vertriebenen Bauern neue Heimat zu geben. Seiner Entschlossenheit ist die Gründung der Flüchtlingsstadt Espelkamp zu danken. Erklärungen: Bekennende Kirche, seit 1934 die Bewegung innerhalb der evangelischen Kirche, die dem Machtanspruch der Nationalsozialisten und der "Deutschen Christen" entgegentrat, Gestapo,
Abkürzung für die nationalsozialistische "Geheime Staatspolizei |
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