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Die Geschichte der Birger-Forell-Realschule ist untrennbar mit der Geschichte der Stadt Espelkamp und der Einrichtung des Ludwig-Steil-Hofes verbunden, aus der sie letztendlich hervorgegangen ist. Ohne den Namensgeber Pastor Birger Forell hätte es wohlmöglich weder die Stadt noch anschließend unsere Schule gegeben. Um diese Zusammenhänge zu verdeutlichen, erfolgt in den folgenden Kapiteln zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss
Unsere Schule hatte es seit ihrer Gründung und der Übernahme der Trägerschaft durch die Evangelische Kirche von Westfalen nicht immer leicht, was ihre Rahmenbedingungen angeht. Stets stand sie im Schatten des prestigeträchtigeren
Söderblom-Gymnasiums, musste dessen "abgetragenen Kleider" tragen (Umzug in die ehemaligen Räume des Gymnasiums 1976/77). Von Beginn an litt die
Schule unter Platzmangel (die Räume waren z.T. nicht für derartig große Klassen konzipiert) und Raummangel. Bereits 1974, noch auf dem Gelände des Steilhofes, mussten 4 Klassen im Gebäude der Waldschule Unterkunft finden. 1978 erreichten die Schülerzahlen mit insgesamt 800 Schülern in 24 Klassen einen Höchststand, was zu bedrückender Enge führte. Bereits in den 80er Jahren ging dann die Rede, dass neu gebaut werden solle. Ende der 80er Jahre wurden bereits Ausschüsse gebildet, die im Zusammenhang mit einem in Kürze zu planenden Schulneubau pädagogische Konzepte entwickeln sollten. Geld für einen Neubau sei das geringste Problem, so hieß
es. Trotzdem geschah die nächsten 10 Jahre lang fast nichts. Die Empörung gipfelte schließlich in einer Massendemonstration von Eltern und Schülern. Die Ereignisse, die dahin führten werden in einer
Chronik der Skandale wiedergegeben. Im Jahre 2000 wurde dann endlich mit dem Bau begonnen, obwohl zum Schluss Fehlberechnungen das Vorhaben beinahe wieder hätten scheitern lassen. Angesichts der -relativ- knappen Mittel
blieben dabei allerdings viele Wünsche offen.
Stadtgründung
1937 - Die Vorbereitungen für den 2. Weltkrieg laufen bereits auf Hochtouren. Die Wehrkreisverwaltung VI, Münster, beauftragt Oberstleutnant August Skirde damit, die Gegend um Espelkamp zu prüfen. Es soll entschieden werden, ob sie sich eignet für den Bau einer Munitionsanstalt der Wehrmacht. Eine menschenarme und versteckte Gegend in einem Gelände mit Laub- und Nadelwald, trotzdem verkehrsgünstig gelegen, nicht weit von den Verkehrsadern des Mittellandkanals mit Anbindungen an die neue Autobahn Ruhrgebiet-Berlin - der Standort eignet sich. Deshalb beginnt in den Jahren 1938/39 der Aufbau einer Munitionsanstalt des Heeres, kurz Muna genannt. Hier sollen u.a. Granaten mit Sprengstoff schussbereit gemacht und fertige Munition gelagert werden. Es entstehen auf rund 250 ha Waldfläche insgesamt 133 massive einstöckige Gebäude mit einem 20 km langen Straßennetz, einem Wasserwerk und Anschlußgleisen an die Strecke Herford - Bassum - Bremen.
August Skirde ist in den Kriegsjahren 1941-1944 Kommandeur der Muna. Im April 1945 besetzt die 2. Britische Armee das Minden-Ravensberger Land und am 4. April übernehmen die Engländer die Muna unzerstört. Schon ab Juni 1945 finden die ersten Flüchtlinge in den ehemaligen Baracken für die Muna-Arbeiter eine notdürftige Unterkunft. Die Potsdamer Konferenz beschließt im Zuge der Entmilitarisierungsbestimmungen die Zerstörung aller Kriegsanlagen der Kategorie I. Deshalb soll auch die Muna gesprengt werden. Im Mai 1946 gibt der britische Kommandant im Kreis Lübbecke, Col.
Steege, dem Verbindungsmann des Ev. Hilfswerkes Westfalens zur Britischen Militärregierung,Pfarrer Diehl, den Hinweis, die Gebäude der Muna für die Aufgaben des Hilfswerkes zu nutzen. Mit dessen Hilfe wird im ehemaligen Arbeitsdienstlager Hedrichsdorf ein Kindererholungsheim aus dem bombengeschädigten Ruhrgebiet eingerichtet. Am 4. November 1946 ziehen die englischen Besatzungstruppen ab.
Am 11. November 1946 besichtigt der schwedische Pastor Birger Forell zum ersten Mal das Muna-Gebäude und setzt sich für die Verhinderung der Demontage und für die Freigabe der Muna ein.
Im Jahre 1947 stellt das Ev. Hilfswerk von Westfalen einen offiziellen Antrag auf Freigabe der Muna an den Militärgouverneur von Nordrhein-Westfalen, General
Bishop, um dort Heime für unterernährte und pflegebedürftige Kinder, Heime für Alte und Körperbehinderte, aber auch Durchgangs- und Ferienlager für ehemalige Kriegsgefangene entstehen zu lassen. Nach der Einwilligung steht die Muna dem Ev. Hilfswerk zur vorläufigen Nutzung für karitative Zwecke zur Verfügung. Mit Hilfe Birger
Forells, dessen Idee es ist, den Kriegsgefangenen und Übersiedlern eine neue Heimat zu geben, wird nur eine reduzierte Sprengung durchgeführt.
Am 29. Oktober 1948 beschließen die Landeskirche von Westfalen, das Zentralbüro des Ev. Hilfswerkes in Stuttgart und Vertreter der Wirtschaft eine systematische Gesamtplanung für Espelkamp durchzuführen. Es soll eine industrielle Siedlung aufgebaut werden. Die eigentliche Geburtsstunde der heutigen Stadt Espelkamp ist der 4. Oktober 1949. Vom Land Nordrhein-Westfalen und der Evangelischen Kirche in Westfalen wird die Aufbaugemeinschaft Espelkamp
GmbH gegründet, die Aufbaugemeinschaft wird Träger des Gesamtaufbaus.
Am 3. Oktober 1959 werden der Gemeinde Espelkamp die Stadtrechte verliehen. Die junge Stadt wird zur neuen Heimat für 13.000 Menschen, die zum großen Teil als Vertriebene, Flüchtlinge oder Spätaussiedler nach Espelkamp kommen.
Heute leben etwa 28.000 Einwohner hier.
Die Rolle Birger Forells
Birger-Forell-Realschule, Birger-Forell-Straße - Espelkamp erinnert sich an diesen schwedischen Pastor, der maßgeblich an der Entstehung der Stadt beteiligt war. Als Pastor an der Carolikirche in der schwedischen Stadt Boras, heute eine der Partnerstädte Espelkamps, wird er 1943 vom Weltkirchenrat zur Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen in England berufen. Schon 1944 hat Birger Forell mit seiner Frau Calise in seiner Gemeinde Boras für die Flüchtlingslager in Deutschland Kleider, Schuhe, Lebensmittel, Medikamente und Geld gesammelt. Auf einer kurzen Reise in Deutschland stößt er im Herbst 1945 auf die Not der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen. Dabei kommt bei ihm der Gedanke auf, eine christliche Siedlung zu gründen: mit Kriegsheimkehrern, Flüchtlingen und Vertriebenen. Bei seiner Reise trifft er auch den befreundeten Pastor von Bodelschwingh in Bethel und lernt auch Pastor Pawlowski kennen, den Beauftragten für das gerade eingerichteten Hilfswerk der Evangelischen Kirche von Westfalen. Im Dezember 1946 reist Forell wieder nach Deutschland. Am 11. Dezember 1946 schreibt er in sein Tagebuch: Mit Pawlowski nach Espelkamp, einer großen Munitionsfabrik von 4 Quadratkilometern mit 160 solide gebauten Häusern von zum Teil großen Ausmaßen (...). Hier könnte ein 5000 Menschen fassendes Bethel auf christlicher Grundlage entstehen." Das Gebiet der Munitionsfabrik erscheint ihm ideal für sein Projekt, in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Hilfswerk Flüchtlingen und Heimkehrern eine neue Heimat zu geben. Als Bürger des neutralen Schweden hat Forell die Möglichkeit, zwischen deutschen Dienststellen und der Militärregierung zu vermitteln. Sein Plan ist, Flüchtlinge und Heimkehrer, besonders junge Leute, die Eltern und Heimat verloren haben, in den Muna-Gebäuden unterzubringen. Es geht ihm dabei um die Gründung einer Ortschaft, in der Heimkehrer wohnen und unterstützt werden können.
Die Verhandlungen laufen jedoch nur sehr zögerlich, weil auch die deutschen Stellen (Finanzverwaltung, Regierungspräsidium, Kreisverwaltung) die Nutzung der
Muna-Gebäude, wenn auch auf unterschiedliche Art, beanspruchen. Forell schafft es durch seine Verhandlungen, General
Bishop, den Oberkommandierenden der britischen Zone, von seiner Idee zu überzeugen. So erklärt die britische Militärregierung die Freigabe der Gebäude an das Hilfswerk von Westfalen unter dem Vorbehalt, dass das Hilfswerk jederzeit gebeten werden könne, sich wieder zurückzuziehen, z.B. im Falle eines Sprengungsbefehls.
Ende September 1947 erfolgt der Befehl zur vollständigen Demontage. In der Zwischenzeit sind in Espelkamp jedoch die ersten Siedlungsanfänge gemacht.
Im Herbst 1947 werden noch die Munitionsbunker gesprengt, die ersten Kriegsgefangenen kommen auf Forells Initiative aus England. Nachdem das Ev. Hilfswerk und auch Forell immer wieder auf die bereits angelaufene karitative und kirchliche Arbeit, die geleistet worden war, hinwiesen und Forell unermüdlich Verhandlungen führte, zeigten sich auch von Seiten des französischen Kontrollrates Erfolge.
Unter primitivsten Verhältnissen hatte das Leben der ersten Bewohner begonnen. Espelkamp ist heute das deutlichste Zeichen für Forells Wirken in Deutschland und manches im Stadtbild deutet auf ihn hin.
Ohne seine Verhandlungen wäre die Gründung der Stadt nicht möglich gewesen.
Der Ludwig Steilhof als Mutter der
BFR
Als Keimzelle Espelkamps wird von vielen der Ludwig-Steil-Hof
gesehen, eine evangelische Stiftung mit diakonischem Auftrag und Zielsetzung. Der Name geht zurück auf den westfälischen Pfarrer Ludwig Steil, der während der Nazi-Zeit Mitglied der Bekennenden Kirche war und im KZ Dachau an den Folgen seiner Inhaftierung im Januar 1945 starb.
Ursprünglich gab es zwei miteinander konkurrierende Nutzungskonzepte für das ehemalige
Muna-Gelände. Auf der einen Seite war da das auf Birger Forell zurückgehende Modell der Schaffung von Wohnraum und Arbeitsmöglichkeiten für heimatlose Menschen aus dem Osten. Daneben gab es die Vision des westfälischen Pastors Karl Pawlowski, der hier ein zweites Bethel aufbauen wollte. Der ausschließlich auf diakonische Nutzung ausgerichtete Entwurf konnte sich nicht durchsetzen. Unter der Federführung von Dr. Max Ilgner und Eugen Gerstenmaier gelang es schließlich, beide Zielsetzungen zu verbinden. Im Oktober 1948 wurde der Evangelische Verein Steilhof e. V. formal ins Leben gerufen. Im Jahre 1980 erhielt der Steil-Hof den Status einer Anstaltskirchengemeinde. Im gleichen Jahr wurde aus dem Evangelischen Verein eine Evangelische Stiftung, deren Vorsitz zunächst Altpräses Ernst Wilm übernahm. Seit 1983 hat Walter Stich diese Funktion inne. Gemeinsam mit der Stiftung wurde ein Kuratorium gebildet, an dessen Spitze bis 1995 Bischof Hermann Kunst stand. Seit 1995
bis zu seinem Amtsantritt als Bundespräsident war Ministerpräsident a.D. Johannes Rau Vorsitzender.
Die Arbeit des Steilhofes vollzieht sich heute in sechs Bereichen: Altenpflege, Psychosoziale Rehabilitation, Jugendhilfe, Berufsbildungsmaßnahmen, Ausbildungsbegleitende Hilfen, Internatsgestützte Förder-Hauptschule und Förder-Sonderschule.
Aus eben dieser Förderschule erwuchs im Jahre 1960 die Birger-Forell-Realschule.
Heute besuchen etwa 500 Jugendliche, von denen keiner in der Bundesrepublik geboren ist, die beiden Schulen des Steil-Hofes, deren Ziel es ist, die sprachliche Integration zu fördern und zu sichern.
Viele Schüler des Steil-Hofes schaffen schließlich, nachdem die sprachliche Förderung des Steil-Hofes abgeschlossen ist, den Sprung in die
Birger-Forell-Realschule.

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