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Bericht über die
Studienfahrt der
Klasse 10 b nach Prag 2007
An einem trüben
Septembermorgen sind wir aufgebrochen, „das Herz voll Hoffen und
fröhlichen Mutes …“ Stop. Wozu dieses aus „Asterix, Die große Überfahrt“
entlehnte Zitat? Darauf wird noch zurückzukommen sein.
Tatsächlich kamen wir nachmittags in Prag an
und alle unsere Hoffnungen das Wetter betreffend wichen einer Ernüchterung: Es
regnete. Da half auch die fernschriftliche Aufmunterung per SMS eines Herrn
Rupprecht wenig: „Prag ist bei jedem Wetter schön.“ So recht glauben wollten wir
es noch nicht …
Nach
Anlaufschwierigkeiten anderntags – zwei Schüler zogen es vor, bis 5 Minuten vor
Beginn der Stadtrundfahrt in ihren Betten zu verweilen und sich durch den
Zimmerservice in Gestalt ihres Klassenlehrers (!) wecken zu lassen – wurden wir
eines besseren belehrt. Nicht nur die „Prag-Erprobten“ unter uns – Frau
Beinlich, Herr Hass und unser Reiseleiter und Busfahrer Herr Kiechle aus
Freiburg – erfuhren wieder einmal, dass das Wetter eben doch macht, was es will,
und dass „auf Regen meist Sonnenschein folgt“ (zitiert nach „Asterix, Der
Seher“), auch die Schüler waren dankbar, die Goldene Stadt vom Bus aus und bei
gutem Wetter genießen zu können ... Dachten sie; denn kaum auf dem Prager
Burgberg, dem Hradschin, angekommen fing es wieder zu regnen an, wurde windiger,
und es hieß „Aussteigen“, und der für diesen Tag angeheuerte Stadtführer Hans
Ambros, ein 87jähriger Prager mit fließenden Deutschkenntnissen, geleitete uns
über den Hradschin bis hinunter in die Stadt und ließ uns teilhaben an der Fülle
seiner Lebenserfahrungen und Detailkenntnis der tschechischen, deutschen und
europäischen Geschichte. Am Ende dieser Führung fiel dann, glaube ich, die
Entscheidung, im Verlauf des Aufenthalts in Prag das Musical „Golem“ anzusehen.
Am nächsten
Tag zeigte Herr Kiechle einige „Leckerli“, z. B. das Treppenhaus eines Kinos im
Jugendstil mitten in der Stadt in einer Einkaufspassage, das als Hintergrund für
ein Klassenfoto diente. Ein Besuch im obligatorischen Café Slavia und die
Besichtigung des Rathauses mit Uhr, Turm und Kellergewölbe schlossen sich dem
an. Es gab viel zu sehen und zu lernen, und für manchen war es eine persönliche
Herausforderung, den Rathausturm zu ersteigen und dabei das mulmige Gefühl in
der Magengrube, das einen in solch luftiger Höhe ab und an beschleicht,
erfolgreich zu bekämpfen: die Aussicht über die Stadt hat dafür mehr als
entschädigt. Abends ging’s dann ins „Golem-Musical“: eine nette Geschichte über
den Riesen Golem, der vom Rabbiner Löw (dem „Rabbi Löw“) erweckt wird, um das
Prager Judenviertel vor Übergriffen der christlichen Bevölkerung zu schützen und
beim Kaiser Schutz zu erbitten, was mit einem kleinen Trick gelingt. Als Golem
während der Erledigung dieses Auftrags wegen eines falschen Zauberspruches
anfängt, Gefühle zu zeigen und droht, die Liebe zwischen einem Christen und
einer Jüdin zu zerstören, wird er von Rabbi Löw mit einem Zauber gebannt, das
beginnende Chaos löst sich auf und Christen und Juden beginnen ein normales
Leben unter kaiserlichem Schutz.
Der Donnerstag
stand dann ganz im Zeichen der etwas düstereren Geschichte der Tschechen und
Deutschen. Es ging nach Theresienstadt, dem heutigen Terezín, einer ehemaligen
österreichischen Garnisonstadt, die ursprünglich im ausgehenden 18. Jahrhundert
als Verteidigung der böhmischen Grenze gegen die Preußen angelegt worden war.
Sie erfüllte ihren Zweck nie, weil es in späteren Jahren nicht zum Krieg
zwischen Preußen und Österreich kam und die Garnison und Festung an Bedeutung
verlor, so dass man dort im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Staatsgefängnis
einrichtete. Dieses Gefängnis beherbergte während des Ersten Weltkrieges die
Attentäter des österreichischen Thronfolgers, dessen Ermordung in Sarajewo im
Juli 1914 den Krieg ausgelöst hatte. Auch Kriegsgefangene kamen dort hin. Als
später die Nationalsozialisten die Tschechoslowakei besetzten, wurde
Theresienstadt zu einem Durchgangslager für hauptsächlich Juden von überall her
auf ihrem Weg in die Gaskammern von Auschwitz und anderen Konzentrationslagern –
das düstere Kapitel der Geschichte war mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945
zu Ende. Seitdem ist Theresienstadt eine Gedenkstätte für die Opfer des
Holocaust.
Auf dem
Rückweg nach Prag machten wir kurz Halt in dem Örtchen Sedlec, in dem eine
Friedhofskapelle steht, die als „Beinhaus“ hergerichtet ist. Sie zeigt die
Gebeine von etwa 40000 Menschen, die im Mittelalter und der Frühneuzeit durch
die Pest und Religionskriege umgekommen sind – wahrlich etwas schaurig, jedoch
mit geistigem Tiefgang: die Gebeine sollen zeigen „Mensch, dein Leben ist nicht
ewig; sieh zu, dass du etwas daraus machst“. Das gab uns Stoff zum Nachdenken
und viele Schülerfragen. Die waren jedoch abends beim Bowling und ähnlichem
schnell vergessen.
Der letzte Tag
war gänzlich dem Ausklang gewidmet. Man besuchte den sogenannten „Asia-Markt“,
eine Art Flohmarkt, auf dem man so ziemlich alles kaufen kann, was anderswo
teuer und teilweise schwer zu bekommen ist. Allerdings hatten wir den Eindruck,
als ob die Händler uns unbedingt ihre Produkte fast schon aufdrängen wollten.
Nachmittags gab es noch einen kleinen Rundgang: mit der Zahnradbahn auf den
Burgberg, von dort zur Prager Burg, in die Stadt und dann Freizeit bis zum
Besuch in einer Diskothek. Die folgende Nacht war sehr kurz! Ich glaube, dass
manche von uns erst am folgenden Tag im Bus wirklich geschlafen haben ...
So kamen wir
am Samstag, dem 08.09.2007, sehr müde, doch wohlbehalten in Espelkamp wieder an.
Ein Wort noch zu Asterix: Während der abendlichen Skatspiele von Frau Beinlich,
Herrn Hass und Herrn Kiechle stellte sich heraus, dass unser Busfahrer und
Reiseleiter ein profunder Kenner des kleinen gallischen Helden ist. Es
entwickelten sich Gespräche, die mit Asterix-Zitaten nur so gespickt waren. Es
war sehr lustig. Latürnich! Wir danken Herrn Kiechle für eine kenntnisreiche und
sichere Reise und hoffen, dass künftige Studienfahrten genauso lustig und
lehrreich sein werden. Wir danken auch unseren Schülerinnen und Schülern, dass
sie so ausdauernd alles mitgemacht haben. Ich glaube, dass es auch ihnen Spaß
gemacht hat.
Niko Hass, Klassenlehrer der 10 b
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