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Zitate und Auszüge aus Schülerberichten "Soziales Lernen"
Benkhausen
(geistig behinderte Menschen) ...
Das weitere Praktikum hat sich sehr positiv entwickelt, ich hatte das Gefühl
gebraucht zu werden und dass man mich akzeptiert und als eine
verantwortungsvolle Person respektiert. Herr D. rief mich teils einen Tag vorher
an, ob ich nicht für eine Person am nächsten Tag einspringen und an
verschiedenen Aktivitäten teilnehmen könnte, Solche Anrufe nahm ich gern
entgegen, weil ich dadurch das Gefühl hatte, gebraucht zu werden. Da sie eine halbe Stunde Mittagspause
hatten, sollte ich auf die Bewohner etwas aufpassen. Aus einer halben Stunde
wurde eine ganze Stunde und eine Bewohnerin musste auf die Toilette und sie
wollte dass ich ihr dabei half. Ich habe mich wirklich anfangs sehr geekelt,
aber als ich noch einmal später darüber nachgedacht hatte, fand ich es gar
nicht mal so schlimm. Um 17. 00 Uhr konnte ich dann nach Hause und wir machten
den nächsten Termin aus und H. sagte dann mir, dass sie die Verantwortung für
mich übernehmen wird und dass sie jetzt meine Betreuerin sein würde. Und so
machten wir die nächsten Termine nach ihrem Arbeitsplan aus, immer wenn sie
Dienst hatte, sollte ich dann auch kommen. Als ich dann die nächsten Male kam,
wusste H. nichts mit mir anzufangen, die ganzen Betreuer saßen im Büro und
tranken Kaffee und mich setzten sie vor den Fernseher oder ich spielte mit den
Bewohnern "Mensch ärgere dich nicht. Ich war irgendwie schon richtig
sauer, denn was bringt mir das Praktikum, wenn ich nur vorm Fernseher sitze,
denn das kann ich genauso gut zu Hause. Und dazu kam noch dazu, dass ich befürchtete,
dass ich nicht mit den Stunden hinkommen könnte, denn ich arbeite noch nebenbei
und immer wenn ich Mal länger bleiben wollte, meinte H., ich kann nach Hause
fahren, es lohnt sich nicht. Aber ich glaube, wenn man es wirklich will, kommt
man auch mit den Stunden hin. Immer wenn ich einmal einen freien Tag hatte, ging
ich zum Ludwig - Steil - Hof oder ich ging nachmittags hin und
abends, dann arbeiten und ich bin mit den Stunden schon früher fertig geworden
und hab sogar noch mehr geschafft, als diese 40 Stunden. Nachdem es draußen wärmer
wurde, ging ich mit den Bewohnern spazieren und mit der Zeit, als ich mich dann
eingelebt hatte, machte ich Vorschläge, was ich mit ihnen machen könnte und
beschäftigte mich selbstständig. So kam es, dass ich mit zwei Bewohnerinnen
Eis essen ging oder für einige Besorgungen machte... ...Auf die Frage: "Ob es sich
gelohnt hat, kann ich mit Ja antworten. Im Großen und Ganzen war das Praktikum
sehr interessant, es ist was ganz anderes als Schule und man lernt sehr viel.
Ich steh auch zu den Behinderten irgendwie anders oder sehe sie anders. Wo ich
früher vielleicht mal gelacht habe, finde ich nichts mehr witzig dran, sie sind
Menschen, wie alle anderen auch und es ist überraschend, was diese Menschen
alles können, wenn ich mir z. B. die Nähsachen angucken, ich würde so etwas
nicht einmal hinbekommen. ... Ich würde so ein Praktikum auch noch einmal machen und es ist auch wirklich weiterzuempfehlen, denn das sind Lebenserfahrungen, die du dort sammelst und man lernt auch viel über sich, z. B. wo sind meine Grenzen? Aber was man vielleicht besser machen könnte, wäre, dass man die Leute in den Betrieben besser vorbereitet oder dass man mehrere Einsatzorte bekommt, um so mehrere Eindrücke zu bekommen. ... wenn ich nicht Frau Monguilda getroffen hätte, hätte es mir dort wahrscheinlich nicht gefallen. Aber vielleicht lag es daran, dass es dass erste Mal so etwas gab und die Betreuer nicht richtig wussten, was sie machen konnten. Blockpraktika wäre besser gewesen, denn dann könnten wir uns zusammen über unsere Erfahrungen austauschen und uns vielleicht Tipps geben oder solche Dinge. Aber auch so hat es mir gefallen. Zwar habe ich meine Stunden voll, aber ich besuche noch immer ab und zu Frau Monguilda und es ist schön zu sehen, wie sehr sie sich doch freut. Für mich persönlich hat das Praktikum viel gebracht und es wird mir auch immer in Erinnerung bleiben. Vieles werden wir nach der Schule vergessen, aber so etwas kann man nicht vergessen. ... Zu Beginn meines Praktikums habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was wohl auf mich zukommen würde, denn die Menschen sind ja nicht so wie wir. Jedoch ich merkte bald, dass ich an der Arbeit mit behinderten Menschen Freude habe und meine anfängliche Unsicherheit verlor sich langsam. Manche Behinderte wirkten auf mich wie große Kinder. Ich habe gelernt, Menschen zu helfen, die immer auf die Hilfe anderer angewiesen sind, da sie viele Dinge des täglichen Lebens nicht allein bewältigen können. Dies wurde mir klar, als ich den Männern beim rasieren und waschen helfen sollte. Mir ist auch aufgefallen, dass einige von ihnen ständig den Körperkontakt und die Geborgenheit mit anderen Menschen suchen. Auch sie möchten umarmt und gestreichelt werden. Wichtig finde ich, dass sie entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert werden und für die kleinsten Fortschritte Lob und Anerkennung bekommen. Außerdem wurde mir klar, dass die Zusammenarbeit unter den Betreuern sehr wichtig ist, denn auch sie müssen viele Dinge untereinander absprechen. Abschließend kann ich sagen, dass ich durch dieses Praktikum einige wichtige Erfahrungen gesammelt habe. Ich merkte an mir selbst, dass mein Auftreten und der Umgang mit behinderten Menschen immer sicherer wurde, denn auch dieses muss man lernen. Da ich nach meinem Schulabschluss auf die Fachschule für Sozialpädagogik gehe und den Beruf der ..Erzieherin' anstrebe, war es für mich sehr interessant, die Arbeit mit behinderten Menschen kennenzulernen, denn auch die "Schwächsten in unserer Gesellschaft" haben ein Recht auf Hilfe und Unterstützung. ...Auch die Bewohner, die ich dort kennen
gelernt habe, hab ich ziemlich uns Herz geschlossen. Ich muss zugeben, dass ich
am Anfang meines Praktikums schon ein bisschen Bammel vor manchen Bewohnern
hatte. Ich wusste nicht wie ich mit ihnen umgehen sollte und genauso wenig
wusste ich, über was ich mich mit ihnen unterhalten sollte. Aber je öfter ich
da war, je mehr ich mit ihnen zu hatte umso wohler fühlte ich mich in meiner
Rolle. Sie sind alles so tolle Menschen, jeder auf seine eigene Weise. Zwar
sitzen Viele im Rollstuhl, manche sind auch nicht mehr fähig richtig zu
sprechen oder auch zu sehen, aber jeder einzige von ihnen weiß sich auf seine
Weise zu helfen. Sie möchten nicht anders behandelt werden als jeder andere,
der nicht im Altenheim wohnt. Sie möchten genauso akzeptiert werden, wie jeder
andere Mensch auch. Ich muss zugeben, dass ich großen Respekt vor vielen der
Bewohner des Altenheimes habe. Diese Menschen haben schon so viel erlebt, haben
teilweise auch total viel Leid hinter sich, haben aber trotzdem nicht den Mut
bzw. Spaß am Leben verloren. Meine Betreuer haben sich wirklich bemüht, mir
auch in andere Tätigkeitsbereiche einen guten Einblick zu gewähren. Deswegen
bin ich froh, dass ich außer bei der Sitzgymnastik auch im Pflegeheim, in der
Psychiatrie, aber auch im Altenheim eingesetzt wurde. Bevor ich z.B. in der
Psychiatrie eingesetzt wurde, wurde ich darüber informiert, dass ich jederzeit
mit dieser Arbeit aufhören könnte, da diese Arbeit viel anspruchsvoller als
bei der Sitzgymnastik ist und nicht jeder in der Lage ist, diese Arbeit auszuführen.
Da ich aber schon einige Erfahrungen auf dem Wittekindshof gesammelt habe, erklärte
ich mich bereit, es einmal zu versuchen. Ich muss zugeben, dass es nicht gerade
leicht war, sich mit den Bewohnern der Psychiatrie zu beschäftigen, da man sich
nicht ohne weiteres mit ihnen wie bei der Sitzgymnastik unterhalten konnte.
Diese Menschen können teilweise kaum noch sprechen bzw. sehen, schlagen auch
schon mal zu und sind total unruhig. So schwer es manchmal auch war, ich habe
niemals bereut, mir diesen Arbeitsbereich ausgesucht zu haben. Im Pflegeheim,
sowie auch im Altenheim hatte ich riesigen Spaß mit den Bewohnern, ich ging mit
ihnen spazieren, führte mit ihnen unendlich lange Gespräche, spielte mit ihnen
Spiele wie "Mensch, ärgere dich nicht", fütterte sie und durfte mit
manchen sogar ins Cafe gehen. ... Ich finde es total klasse, dass die
Betreuer mir so viel Vertrauen schenkten und mich wirklich an sehr vielen Tätigkeiten
teilhaben ließen. Während meiner ganzen Praktikumzeit fühlte ich mich richtig
gebraucht, hatte ständig etwas zu tun, sodass mir keine Zeit zum langweilen
blieb. Ich würde jedem, der vielleicht gerne schnell über alte Menschen
urteilt bzw. eine Abneigung gegen alte Menschen hat, ein solches Praktikum
empfehlen. Auch allgemein würde ich ein solches Praktikum jederzeit
weiterempfehlen. Es hilft einem Menschen nicht nur Vorurteile alten Menschen
gegenüber abzubauen, es bringt einem auch eine Erfahrung fürs Leben. Ich habe
gelernt, richtig mit diesen Menschen umzugehen, sie richtig zu behandeln, vor
allem aber, mich nicht vor ihnen zu fürchten, nur weil sie einen böse angucken
oder ein bisschen aufdringlich sind. Man muss bedenken, dass unsere Eltern und
auch wir auch mal so alt sein werden, sodass wir vielleicht auch in ein
Altenheim kommen und genauso auf Hilfe angewiesen sein werden wie die Menschen,
um die ich mich ein paar Monate lang gekümmert habe. Niemand möchte gerne auf
Ablehnung von anderen Menschen stoßen, nicht die jetzigen Bewohner des
Alten- bzw. Pflegeheimes, genauso wenig aber die der Psychiatrie. Mir hat das Praktikum viel Freude bereitet, ich wäre auch jederzeit bereit, so ein Praktikum noch einmal zu machen. Während so einem Praktikum gibt es wirklich viel zu lernen und niemand sollte sich so eine Chance entgehen lassen. Mir persönlich fiel der Abschied ziemlich schwer, denn gerade wo ich mich so gut eingelebt hatte, musste ich auch schon wieder gehen. Als ich mich von allen verabschiedet hatte und mich manche in den Arm nahmen und zu mir meinten, ich soll sie mal besuchen kommen, wollte ich gar nicht mehr weg. Auch als ich mich von den Betreuerinnen verabschiedete und dann zu all dem auch noch ein Abschiedsgeschenk bekam, standen mir die Tränen in den Augen. Ich finde, dass mein Praktikum hätte nicht besser laufen können, obwohl es am Anfang schon ein bisschen chaotisch war. Ich habe mein Sozialpraktik-um im Ludwig-Steil-Hof in Haus 10 gemacht. In diesem und noch zwei weiteren Häusern leben psychisch Kranke. Manche von ihnen sollen auf ein selbstständiges Leben in einer eigenen Wohnung vorbereitet werden. Was man dazu sagen muss: es gelingt den wenigsten. Als ich zum ersten Mal das Haus besuchte, war ich ziemlich aufgeregt. Ich hatte bis jetzt noch nie eine Psychiatrie von innen gesehen. Ich habe mich gefragt, was für Leute leben da überhaupt? Wie verhalten sie sich? Ich wurde sehr nett von Herrn Oevermann und dem Kollegium begrüßt. Das gab mir wieder ein wenig Sicherheit. Herr Oevermann stellte mir Frau Gabi Berger vor, die mich durch mein Praktikum begleiten und meine Ansprechpartnerin sein sollte. Wir setzten uns zusammen und ich erklärte ihr, warum ich dieses Praktikum mache. Dann erzählte sie mir von der Einrichtung und den Menschen, die in dieser Einrichtung leben. Sie nahm mir den größten Teil meiner Angst. Das war es dann auch schon fürs erste. Bei meinem zweiten Besuch nahm ich an der Gruppenbesprechung teil, wo ich auch die Bewohner das erste Mal sah und ihnen vorgestellt. Während der Besprechung beobachtete ich die Bewohner und wunderte mich. Man sah ihnen überhaupt nicht an, dass sie krank sind. In der Besprechung wurde ein Einkaufs- und Kochplan zusammengestellt, wer wann putzt und ob es irgendwelche Probleme gibt. Jeder Bewohner nahm auf seine Art daran teil. Manche lebhaft, manche ganz still. Hinterher setzte ich mich noch mit Gabi zusammen und sie erklärte mir warum die einzelnen Leute hier waren. Viele hören Stimmen und sehen Gesichter die nicht da sind, geben sich an allen die Schuld, haben Angst vergiftet zu werden, oder glauben von einer Maschine gesteuert zu werden. Eine Frau kann nicht mit vielen Menschen zusammen in einem Raum sein, läuft den ganzen Tag durch das Haus und ist sehr launisch. Als ich fragte woher das kommt, war ich über den Grund sehr überrascht: LSD. Die Frau hatte Drogen genommen. Ich weiß das Drogen krank machen, aber das so etwas dabei rauskommen kann war mir neu. Bei meinen nächsten Besuchen ging ich in die Arbeits- und Beschäftigungstherapie, was ebenfalls sehr interessant war. In der Arbeitstherapie werden kleine, sich immer wiederholende Arbeiten gemacht, zum Beispiel werden Klebestreifen auf Holz geklebt. In der Beschäftigungstherapie wird gemalt und gebastelt. Ich war fasziniert was für wunderschöne Arbeiten dabei herauskamen. Die Arbeiten werden bei jeder Veranstaltung des Steilhofes ausgestellt, worauf die Bewohner besonders stolz sind. Ich durfte sogar miterleben wie eine Bewohnerin auszog, in ihre eigene Wohnung. Sie wird aber weiterhin von einer Betreuerin begleitet, die ihr zum Beispiel beim Einkaufen hilft. Diese Bewohnerin ist sehr glücklich, dass sie es geschafft hat ihr Leben in den Griff zu bekommen. Trotzdem kommt sie jeden Tag ihre alte Gruppe besuchen. ... Einen Samstag habe ich mit 'meiner' Gruppe gekocht. Es war spannend den einzelnen Bewohnern bei ihren Aufgaben zuzusehen. Manche erledigten sie schweigend und ordentlich, andere erzählten ununterbrochen und kamen gar nicht richtig zum Kartoffeln schälen. Hinterher haben wir noch zusammen gegessen. Dieser Tag hat mir besonders Spaß gemacht denn ich konnte die Leute endlich näher kennen lernen. Die meisten Bewohner gehen ganz normal arbeiten. Sie fahren morgens mit dem Bus nach Lübbecke zur Staback (Arbeitsstätte für geistig Behinderte) und nachmittags wieder nach Hause. Sie bekommen jeden Monat ihr Gehalt was sie sich selbst einteilen müssen. Ein paar von den Bewohnern sind sogar verheiratet und bekommen regelmäßig Besuch von ihren Partnern, manchmal auch Kindern. Als ich das hörte, wurde mir erst richtig klar, dass es jeden treffen kann, wenn man sich zum Beispiel in etwas hineinsteigert, wie einen Putz- oder Sauberkeitsfimmel. Oder durch Alkohol und Drogen, was mir bis dahin nicht richtig bewusst war. ... Da, an dem Tag, merkte ich, dass man besseren Kontakt zu den Schülerinnen hat, wenn sie Freizeit haben. Nach einer Zeit war ich mir nicht mehr so unsicher wenn ich das Haus betrat, denn ich kannte fast alle Mädchen aus dem Internat, sie waren auch sehr freundlich zu mir. Natürlich wusste ich nicht von jedem Mädchen den Namen, (um ehrlich zu sein, ich kenne ihre Namen immer noch nicht), aber ich war auch nicht jeden Tag da, sondern nur einmal in der Woche und ich bin froh, dass ich mich trotzdem mit den meisten von ihnen sehr gut verstehe. In letzter Zeit arbeitete ich eher selbstständig, Mir wurde immer eine Etage zugeteilt und ich sollte mit dem Hausaufgaben-Ordner in jedes Zimmer der Etage gehen, mir die Hausaufgaben notieren und ebenfalls den Schülerinnen helfen, wenn sie nicht weiter kamen. Das hat mir Spaß gemacht. Was jedoch schade war, war dass ich etwas missverstanden hatte. Ich hatte anfangs verstanden, dass wir nicht einfach am Stück die 40 Stunden machen durften, sondern nur 2 bis 4 Stunden in der Woche. So habe ich das auch Frau Sangerhausen weiter erzählt und dann fanden die Erzieher das Praktikum nicht so sinnvoll, da sie der Meinung waren, dass man keinen richtigen Einblick ins Internatleben bekommen kann bei so wenigen Stunden. Wäre dieses Missverständnis nicht gewesen, dann hätte ich auf jeden Fall mehr mit den Menschen dort zu tun gehabt, ich hätte auch das Leben im Internat besser kennen gelernt. Besser wäre es wirklich, das Praktikum am Stück zu machen, anstatt die 40 Stunden auf ein halbes Jahr zu verteilen. Unter den Umständen würde ich das Praktikum im Internat auf jeden Fall weiterempfehlen. Da gibt es auch einige Kleinigkeiten, die mir an diesem Beruf aufgefallen sind. Wer denkt, der Beruf Erzieher/in wäre ein rein praktischer Beruf, der irrt sich gewaltig. Denn der Beruf ist viel mit Theorie verbunden. Man muss sich alles notieren: die Hausaufgaben, die Probleme, die Entwicklung der einzelnen Schüler/innen. Noch dazu kommt, dass man viel herum telefonieren muss. Man muss sich um Reparaturen, um das Essen, um Probleme mit Lehrern kümmern. Es ist nicht so einfach, wie es aussieht. Schließlich kümmert man sich nicht nur um ein einziges Kind, sondern um mehrere und jeden muss man gleich behandeln, ob man diese Person nicht leiden kann oder besonders mag. ... Ich habe auch gelernt mit Menschen
umzugehen und vor allem mit solchen, denn ich hatte zuvor noch nie etwas mit
Psychischkranken zu tun. Ich habe in der Zeit des Praktikums viele Menschen
kennen gelernt. Unter ihnen auch etwas zickige. Das Verhältnis zwischen
Mitarbeitern und Bewohnern und das Verhältnis zwischen den Bewohnern unter sich
fand ich sehr gut und interessant. Wie sie miteinander umgehen. Mit den
Bewohnern wird umgegangen wie in einer Familie. Das finde ich sehr gut. Sie
wissen, was sie dürfen und was nicht und das müssen sie auch einhalten. Wie
die Bewohner mit sich selber umgehen ist auch interessant. Etliche verstehen
sich gut, die anderen können sich nicht leiden und schreien sich an. Das ist
manchmal zum Lachen, aber das darf man auf keinen Fall zeigen. Manche sorgen
sich auch um die anderen. Zu mir waren sie eigentlich alle freundlich, nur eine
nicht. Die geht an mir vorbei, guckt mich nur blöd an und sagt, dass ich eine
Ziege bin. Aber das ist nicht nur mir so gegangen, sondern auch anderen. Jedoch
einmal, als ich wieder unterwegs zum Haus war, traf ich sie und sie erzählte
mir über früher, was sie mal von Beruf war. Das hat mich gewundert. Meiner Meinung nach hat sich dieses Praktikum sehr gelohnt. Man lernt auch so ein Gebiet kennen und welche Probleme solche Menschen haben, denn man hat ja nicht viel Kontakt mit solchen Menschen. Ich selber würde so ein Praktikum noch mal machen. Mir hat das nämlich sehr gefallen. Vor allem auch das alle so freundlich zu mir waren und man sich so gut untereinander verstanden hat. ... Man konnte auch lernen mit Menschen umzugehen. Bei mir gab es eigentlich keine Schwierigkeiten. So ein Praktikum ist auch weiterempfehlenswert. So ein Blockpraktika ist eigentlich zu empfehlen, dass man sich das ganze vielleicht eine Woche lang anguckt und sich darein arbeitet, bevor man jede Woche nur zwei Stunden geht. ... Die Mitarbeiter haben sich auch bedankt und haben sich gefreut, dass ich ihnen geholfen habe. Sie fanden es gut, dass ich zuverlässig bin, dass wenn ich an einem Tag nicht kommen konnte, dass ich dann angerufen habe und dass ich hilfsbereit war. Im Internat, Arbeit mit jugendlichen Aussiedlern
... Als ich angefangen habe mein Praktikum im Internat des
Ludwig-Steil-Hofes zu machen, hatte ich schon ein ziemliches
Kribbeln im Bauch, das ist ja eigentlich normal, aber bei diesem Praktikum war
es eher so ein "Angstkribbeln", was ich mir jedoch ziemlich leicht
erklären kann, bei anderen Praktika oder Projekten in der Kirche etwa, wusste
ich immer wie ich mich gegenüber den Leuten auf die ich treffen würde ungefähr
verhalten müsse, denn entweder waren es kleine Kinder oder alte Menschen! Da
weiß ich, das kleinen Kindern bei Spielen oder anderen interessanten Dingen
niemals langweilig wird, alte Menschen wiederum wollen meistens eigentlich nur
reden, spazieren gehen oder ähnliches! Bei Jugendlichen, auch noch in meinem
Alter, ist das alles sehr viel schwieriger, und erstmal einen Draht zu diesen
Menschen zu finden ist schon verdammt schwer, denn sie verschließen sich
meistens und wirken dann total, na ja "cool" (was von den Jugendlichen
bestimmt auch gewollt ist)! Diese Einstellung macht einem den Einstieg in ein
solches Praktikum natürlich nicht unbedingt leicht!!! Am Anfang wurde ich von
den Jugendlich meistens auch erst "gemustert", d.h. sie haben mich von
oben bis unten richtig unter die Lupe genommen, manche haben mir dann auch schon
irgendwelche Fragen gestellt, doch die Meisten (besonders die Mädchen) haben
dann einfach den Kopf abgewandt und sich nicht weiter um mich gekümmert, wobei
ich lieber dumme Fragen beantworte als ignoriert zu werden!!!! ...
Dieses Praktikum war auf jeden Fall ein "Mentalitätscrash", die
Jugendlichen aus Russland sind wirklich so anders, sie reden ganz anders, essen
anders, haben ganz andere Hobbys und Interessen! Ich bin zwar selbst aus Polen,
aber der Unterschied zwischen Polen und Russland ist doch sehr gravierend, das
war mir vorher auch nie so klar! Jugendliche auf unserer Schule haben meistens
vor, irgendeine Ausbildung zu machen, aufs Gymnasium oder irgendeine anderen
weiterführende Schule zu gehen, jeder hat so seine Ziele, manche wollen
studieren andere ziehen die Ausbildung vor, also meistens lässt man sich noch
irgendwie weiter(aus)bilden! Die Zukunftspläne der Jugendlichen hingegen sehen
so aus: möglichst schnell arbeiten, möglichst schnell Geld haben, möglichst
schnell ein Auto und Klamotten haben! Sie wollen gar nicht mehr, eine
"einfache" Arbeitstelle reicht völlig aus, Hauptsache Geld! Was mich,
als ich mich nach den Plänen der Jugendlichen erkundigte, ziemlich geschockt
hat. Ich dachte irgendwie an die Generation - oder Kinder ohne Zukunft. Als ich dann bei dem Thema noch
weiter bei den Jugendlichen bohrte merkte ich, dass sie es gar nicht anders
kennen, für sie ist es die Norm und sie haben auch gar kein Problem damit, es
ist eben so, nach der Schule arbeiten gehen und Geld verdienen! Da habe ich
gemerkt, dass bei diesen Jugendlichen Schule eine ganz andere Gewichtung erhält
als bei uns, und das ist auch nur eine von vielen Dingen die die russischen
Jugendlichen von den Jugendlichen hier unterscheidet!!! ... Sie lassen z.B.
niemanden an sich heran, der nicht zu ihnen gehört bzw. aus Russland ist, sie
interessieren sich gar nicht für diese Person und beachten sie auch gar nicht
weiter. ... Sie denken, dass sie sich immer vor jemand anderem beweisen und
zeigen müssen, wie großartig sie sind, und das hat dann zur Folge, dass man
kaum an sie heran kommt, was ich eigentlich sehr schade finde!!! Trotzdem habe
ich einige sehr interessante Gespräche geführt... ...
Ich habe bei diesem Praktikum auf jeden Fall eine ganze Menge gelernt, Grenzen
zu ziehen, sich durchzusetzen, nicht aufzugeben und alles nicht gleich schwarz
zu sehen! Das ich Probleme mit den Jugendlichen haben würde war mir schon von
Anfang an klar, jedoch ist der Umgang mit den Bewohner des Internates alles gar
nicht mal sooo kompliziert abgelaufen, obwohl es schon mal hier und dort nicht
ganz reibungslos abgelaufen ist, aber ich denke das gehört nun mal dazu! ...
Ich würde diesen Praktikumsplatz auf jeden Fall weiterempfehlen, es ist sehr
interessant, man lernt einiges über sich selber und sieht die Lage, in der man
sich selber befindet, aus einem ganz anderen Blickwinkel! Ich würde es jedoch
einer Person empfehlen, die auch den Mund aufmachen kann, die den Mut dazu hat
zu antworten, und wenn's sein muss auch mal durchgreifen kann, auch wenn man's
nicht allen recht macht! Man braucht auf jeden Fall eine große Portion
Selbstbewusstsein! Wenn man das nicht hat, würde man da eingehen oder sich überfordert
fühlen! Ich finde, dass das Praktikum eine sehr gute Idee ist, es wäre jedoch
besser, besonders im Internatsbereich erst ein Blockpraktikum zu machen, denn
immer wenn man eine "zarte" Beziehung zu einem der Jugendlichen
aufgebaut hat und dann nächste Woche erst wiederkommt, muss man das alles
wieder von vorne aufbauen. Aber im Grunde hat mir alles gut gefallen. |
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Alle Rechte liegen bei der Birger-Forell-Realschule. Webmaster-Kontakt Letzte Aktualisierung 09.01.2008; v.i.S.d.P: Ulli Schlick |