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Der
Ablauf des Praktikums
Aber im
Mittelpunkt steht selbstverständlich die Begegnung mit dem behinderten Menschen
- und besser als in einer Veröffentlichung
von 1980 kann man es nicht formulieren: Herausgerissen aus einer
Wohlstandsgesellschaft, die auf Perfektion und Lebensbewältigung ausgerichtet
ist, erlebt der junge Mensch hier das Vereinnahmtwerden durch den behinderten
Mitmenschen, der ihn voll akzeptiert, der ihm vertraut, der ihn aber auch
fordert. (...) Sie lassen ihren Gefühlen freien Lauf, unkontrolliert treffen
diese auf die stets reservierte Verhaltensweise unserer Fünfzehnjährigen. Aus
dem Abwehrschock heraus gelingt es den meisten, sich gegenüber diesem Gefühlssturm
langsam und geschickt zu öffnen. Dieser Vorgang des Sichbegegnens, des sich
gegenseitigen Anerkennens, des Miteinanderauskommens zwingt unsere Schüler in
die Position der geistig Reflektierenden. Dieses Überdenken zwingt zu einer
fruchtbaren Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Mitmenschen.[1] Ergebnisse:
Bei dem einzelnen Schüler führen diese Erfahrungen zu einer positiven
Selbstbestätigung, zu mehr Selbstvertrauen und damit zu mehr
Selbstbewusstsein. Für viele dient es darüber hinaus als Unterstützung bei
der Berufsorientierung und nicht wenige orientieren sich um: Ich hatte zuerst den totalen Horror vor dem Wittekindshof und wollte auf keinen Fall dort hin (was die begleitenden Lehrer nur bestätigen können!), aber nach zwei Tagen fand ich das alles richtig Klasse. Die Schülerin
absolvierte anschließend ein Praktikum in einer Einrichtung des Wittekindshofes
und hat dort soeben eine Ausbildung begonnen. Viele
bezweifeln, dass eine Woche Praktikum in einer solchen Einrichtung einen
nachhaltigen Effekt haben könnte. Selbst Wissenschaftler teilen diese
Auffassung. Dem muss aus den Erfahrungen
an unserer Schule heraus widersprochen werden. Die Bedeutung des Praktikums für
die Sozialisation und die kritische Reflexion ihrer selbst und der Gesellschaft
wird belegt sowohl durch
Das
Praktikum war in meiner Schulzeit eine der wichtigsten Erfahrungen, die ich
mitbekommen habe. Ich denke, alleine ein solcher
Satz kann als Beleg gelten für die Nachhaltigkeit dieser Veranstaltung. Lassen
wir noch einige Schülerinnen und Schüler zu Wort kommen: ...
Vor dem Praktikum dachte ich, dass es für mich nicht sinnvoll sei, eine Woche
auf dem Wittekindshof zu sein. Nach dem Praktikum wusste ich jedoch, dass
man unbedingt eine solche Erfahrung machen sollte. Ich habe meine Meinung dazu
geändert. Die Erfahrungen, die ich auf dem Wittekindshof sammeln konnte,
waren für mich nicht unwichtig. Denn gerade vom Umgang mit behinderten
Menschen wusste ich nichts. Ich musste mich mit behinderten Kindern verständigen,
die nicht sprechen konnten und was nicht immer einfach für mich war. Ich machte
jedoch auch die Erfahrung, dass es dort Menschen gibt, denen man die
Behinderung fast nicht anmerkt und mit denen man sich ganz normal unterhalten
kann.(...) Ich sehe es für wichtig an, wenn viel mehr Menschen einen Einblick
in die Arbeit und den Umgang mit Behinderten bekommen könnten. Dadurch würden
viele Vorurteile, die viele Menschen gegenüber Behinderten haben,
abgebaut.
Man
kriegt eine ganz andere Sicht nicht nur von den Behinderten, sondern zu allen
Menschen. Silvia
Man könnte
diese Sammlung endlos fortsetzen. Negative Rückmeldungen sind eher selten und
erschöpfen sich eher in der Aussage, das einem eine solche Arbeit nicht
liege. In einer Zeit, die gekennzeichnet ist durch eine sich entsolidarisierende Gesellschaft, in der prosoziale und altruistische Haltungen und bürgerschaftliches Engagement im Schwinden begriffen sind und wo eine Entwicklung festzustellen ist, die Anlass zur Zukunftssorge um die Voraussetzungen des menschlichen Zusammenlebens in unserem Land gibt, setzen diakonische Praktika einen zwar kleinen aber trotzdem wichtigen Akzent. In einer
Zeit, die außerdem durch eine immer undurchschaubare Komplexität, höhere
Anforderungen an Ausbildung und Beruf und Entfremdung vom produktiven
Geschehen gekennzeichnet ist, ist es notwendig, aus dem zu Recht geschützten
Raum Schule Ausflüge in die Realität zu unternehmen. U. Schlick [1]
Weinrich, in: 20 Jahre Birger-Forell-Realschule Espelkamp (1960 1980), hrsg.
v. Gerhard Weinrich, Renate Nötzel, Gabriele Gelker, Espelkamp 1980, S. 53. |
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